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Liebe Jazzfreunde, sehr geehrtes Publikum,
Manchmal passt einfach alles. Man spielt in einem feinen Theatersaal, von dem aus man einen herrlichen Blick über die Stadt hat, zu einem Monolog, den einer der spannendsten Krimi-Autoren (Henning Mankell) über einen der grössten Jazzmusiker (Miles Davis) verfasst hat. Mit einem 22 Mann starken Orchester spielen wir „Sketches Of Spain“, das als das zugänglichste Album von Miles Davis gilt. Den Monolog spricht Daniel Rohr, den man von Theaterbühnen und Leinwänden kennt («Vitus», «Giulia’s Verschwinden»), und das alles rechtzeitig zum 20. Todestag von Miles Davis.
«Miles oder die Pendeluhr aus Montreux» ist eine Hommage an das Jazz-Genie, an einen Mann, der unter Einsamkeit und Vorurteilen litt. Sie erzählt von der Schönheit Juliette Grécos, von Schweizer Uhren, von Lieblingsakkorden und dem Verlust eines geliebten Menschen. Der Text wirft nicht nur ein neues Licht auf einen grossartigen Musiker, er öffnet einem auch das Herz. Musikalisches Motiv ist «Sketches of Spain» aus der Perspektive eines Schrotthändlers, der das Konzert hinter der Bühne erlebt. Im Zentrum steht die Freundschaft zwischen dem einfachen Mann und dem grossen Musikgenie.
Wir freuen uns, wenn Sie uns bei unserem Ausflug auf eine Theaterbühne begleiten würden.
Bettina Uhlmann Baumer
Administrative Leitung
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Bettina Uhlmann
Management
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INTERVIEW MIT RAINER TEMPEL vom 08/2006
Der neue musikalische Leiter des
Zurich Jazz Orchestra
Du übernimmst ab September die musikalische Leitung des
Zurich Jazz Orchestra. Was reizt Dich, eine Grossformation wie das
ZJO zu übernehmen?
Mit einer Band arbeiten zu dürfen, die regelmässig probt
und konzertiert, fast immer in Erstbesetzung spielt, sich mit klassischer
Literatur ebenso wie mit neuer Musik auseinandersetzt, ist eigentlich
das Beste, was mir passieren konnte. Und das nicht einfach irgendwo,
sondern auch noch in Zürich. Ist ja wirklich nicht irgendwo.
Der Punkt ist einfach, dass mich die Besetzung Big Band vor ungefähr
15 Jahren so gepackt hat, dass ich von ihr, selbst wenn ich es wollte,
nicht mehr los käme. Diese Liebe zu den zeitlosen Stücken
der grossen Komponisten des Jazz mit einer Band zu teilen, die weiss,
wovon man spricht, ist eine Freude, die ich nun regelmässig
haben kann. Hurra! Das ZJO hat mit seinem Publikum offenbar ebenso
eine ganze Reihe Liebhaber und Experten, die der Sound einer Big
Band fasziniert. Mit Ihnen zusammen zu kommen und dieses Erlebnis
teilen zu können, ist ohnehin das Wichtigste.
Wer oder was hat dich denn vor 15 Jahren so beeindruckt?
Das Erlebnis einer Uraufführung. Wenn man so wochenlang
im stillen Kämmerlein Noten schreibt, ist es einfach ein unglaubliches
Erlebnis, das Stück zum ersten Mal zu hören. Das will
ich einfach immer wieder mal erleben.
Du wohnst in Tübingen, unterrichtest aber in Luzern an der
Musikhochschule. Was hast Du für eine Beziehung zur Schweiz
und zu Zürich?
Mein Bezug zur Schweiz ist bisher natürlich stark auf Luzern
konzentriert, wo ich ja schon 5 Jahre bin. Natürlich ist das
aber ein Ort, an dem sich Studenten aus der ganzen Schweiz einfinden.
Ich bin völlig begeistert von der Landschaft, doch auch die
kulturelle Dichte in der Schweiz ist faszinierend. Das Land ist
in der Grösse ja vergleichbar mit meinem Bundesland (Baden-Württemberg),
aber die Möglichkeiten für Kulturschaffende sind doch
ganz andere.
Du bist von Haus aus Pianist. In deinen weiteren Formationen sitzt du am Piano. Wirst Du auch beim ZJO vom Klavier aus dirigieren?
Nein, das Klavier überlasse ich gern Adrian Frey. Ich habe irgendwann gemerkt, dass das Klavier von mir vernachlässigt wird, wenn ich auch leite. Daher spiele ich nur in meinen nicht ganz so grossen Ensembles noch selbst.
Wie geht es mit dem ZJO unter deiner musikalischen Leitung stilistisch weiter? Wird es von nun an nur noch «modern» tönen beim ZJO?
Das ZJO wird natürlich viele verschiedene Programme anbieten. Das was als «old school» gilt, ist für mich nicht zwangsläufig unmodern. Schliesslich ist die ganze Kunstform nicht viel älter als 70, 80 Jahre. Ich finde ein Kenton Programm ebenso interessant wie ein Brookmeyer Programm. Beide sind in vielerlei Hinsicht sehr modern, und trotzdem halten das manche Leute für old-fashioned, nur weil die Big Band klassisch instrumentiert wird. Ich tu mich wirklich schwer mit solchen Einordnungen. Wenn man zwei Serien pro Saison anbietet, sollte man auch ein breit gestreutes Programm wählen, um Publikum und Band nicht zu erschöpfen. Ich möchte aber gerne auch Musik einbringen, die erst in den letzten Jahren entstanden ist.
Wirst Du auch für das ZJO schreiben?
Dass sich das ZJO dafür entschieden hat, mit mir zu arbeiten, hängt sicher auch mit dem Wunsch nach neuen Stücken zusammen. Das soll in der nächsten Zeit auch passieren. Für einen großen Teil meiner Kompositionen gilt, dass sie mit der Vorstellung eines bestimmten Solisten entstanden sind und so soll es auch bleiben. Denn hier hat das Orchester ja wirklich einiges anzubieten und ich kenne mittlerweile ja auch alle ganz gut.
Wie würdest Du deine Musik beschreiben?
Da sind wir wieder beim Thema. Ich finde sie modern hinsichtlich Harmonik und Rhythmik, ich schreibe eigentlich fast nie Swing hingegen vermehrt auch krumme Takte. Und ich schreibe zumeist lange Stücke mit grossen Bögen. Sicher sind die Sachen tonal und mir sind Melodien irgendwo noch ein Heiligtum. Ich liebe es, wenn Musiker nach der Probe Melodien von mir pfeifen.
Wo siehst Du die Stärken, aber auch die Schwächen des ZJO?
Das ZJO ist ein verschworener, umgänglicher und kollegialer Haufen. Die Musiker sind ganz offen und interessiert, und das unterscheidet sie von den Rundfunk-Big Bands, die ich so kenne. Es gibt keinen Beamten-Groove. Schwächen kennen wir auch und arbeiten daran, doch keine davon müsste hier ausgebreitet werden.
Ist es in der heutigen Zeit überhaupt
noch angebracht, eine Big Band zu haben?
Hat dieses Modell nicht ausgedient?
Natürlich nicht. Wir sind doch da, und Leute kommen uns hören. Ich weiss natürlich, worauf diese Frage zielt, aber eines ist klar: ich würde das nicht machen, wenn es ausgedient hätte.
Was wäre dein Wunschprojekt für das ZJO?
Eine CD mit meinen Stücken speziell für diese Band. Und mal ein Riesending zusammen mit einem Sinfonieorchester.
Wo siehst Du das ZJO in 5 Jahren?
Ich kann an dieser Stelle keine Prognosen wagen, wohin die Band sich bewegen wird. Es gibt viele Faktoren, die zu einer Entwicklung beitragen, mein Beitrag soll sein, dass wir gut klingen und interessante und gute Musik aufführen. Dass wir uns über ein originelles und originäres Programm profilieren (wie man es schreiben würde), beziehungsweise einfach unser eigenes Zeugs spielen (wie wir es sagen würden). So dass man nach ein paar Takten gleich weiß: «Ja klar, das ist das ZJO!».
Was wünschst Du Dir vom Zürcher Jazzpublikum und insbesondere vom ZJO-Publikum?
Dass es weiterhin regen Anteil an unserer Arbeit nimmt und uns hilft, unseren Weg weiter zu gehen. Und dass es mir meinen schwäbischen Humor und Dialekt nicht verübelt.
...und was wird das Publikum am ersten Konzert zu hören bekommen?
Wir starten mit einem Vorstellungs-Abend im Moods mit meiner Musik in die Saison, auch werden wir die Reihe «Werkstattkonzerte» an der HMT fortsetzen, wo wir weiterhin das Volontariat einiger Studenten im ZJO pflegen werden. Dort steht mit «Mintzer and more» zunächst ein Groove-Programm an.
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Rainer Tempel Musikalische Leitung |